H0 Modellbau - Die große Weite aller Möglichkeiten

Die vielfältigen Möglichkeiten, die die Spur H0 bietet sind wohl jedem Modelleisenbahner hinlänglich bekannt. Das Angebot ist riesig, von Fahrzeugen über Gebäude, bahntechnische Ausstattungen bis zu Figuren. Aber H0 Modellbau ist doch etwas anderes, als nur Zubehör kaufen und hinstellen. Darum betrachten wir das hier mal unter dem Gesichtspunkt, was man alles wirklich selber gestalten kann. Sehr vieles ist dabei, was ursprünglich gar nicht zum eigentlichen Bereich der Modellbahn gehört. Die Materialien zum Selbstbau kommen aus allen Lebensbereichen und ein wirklicher Modelleisenbahngestalter kann eigentlich alles gebrauchen - besonders eine große Garage um den ganzen Krempel unterzubringen und natürlich eine verständnisvolle Familie. Ohne die geht´s nicht.

Schon mal auf die Idee gekommen, die abgebrauchten Spiralschwämme, die die holde Gattin zur Reinigung in Küche und Bad benutzt hat, auf die Modellbahnanlage zu bringen? Wenn die fein zerrissen werden und dann wieder zusammengeknüllt, braucht man sie nur noch zu verrosten und hat wunderbare Drehspäne - Industrieabfälle, die auf Eisenbahnwaggons zu den Schmelzöfen der Verhüttungsindustrie gefahren werden. Ganzzüge mit Fads Waggons oder hochbordigen Güterwagen, mit diesem Schrott gefüllt, sind ein faszinierender und an Echtheit kaum zu überbietender Anblick. Ganz einfach und kostenlos geht das - man muss nur erst mal darauf kommen. Doch dafür gibt es professionelle Anleitungen mit zahlreichen solcher Hinweise und auch mit genaueren Erklärungen dazu, als es hier jetzt möglich ist.

Wissen Sie wie gut seidenweiches 4 lagiges Klopapier tut? Nein, nicht zu dem üblichen Zweck -sondern auf der Modellbahn - aber bitte frisch von der Rolle! Wenn davon einige Blätter in Wasser geworfen werden, lösen sie sich in Minutenschnelle bei leichtem Rühren auf. Gibt man nun noch einen kräftigen Schuss wasserfesten Holzleim dazu, ergibt das ein ganz weiches, breiiges Pappmaché. Un nu? Nun nehmen wir umbrafarbene Acrylfarbe und färben die Masse ein. Wenn die nun mit einem feinen Tuschpinsel auf die Stämme der gekauften Polystyrolbäume getupft werden, geschieht etwas Magisches - Plastik verwandelt sich in Borke! Durch die Schrumpfung bei der Trocknung entstehen feine Risse und Muster. Die können nun noch nachgefärbt und lasiert werden. So werden, wenigstens ein bisschen, aus den gekauften „Supermodellen“ wirkliche Modellbäume. Auch dafür gibt es professionelle Anleitungen, wie das im Einzelnen gemacht wird.

Aus Sandpapier werden Teerstraßen - man muss nur wissen wie das geht, und echte Felsen werden wieder zu neuen Modellgebirgen, ohne dass sie ihre Last der armen Modellbahnplatte zumuten. Eisenbahnschienen werden so eingeschottert, dass alle Schwellen sauber bleiben und das Gleisbett ein perfektes Bild ergibt, doch ohne dass dafür so viel Zeit verbraucht wird, dass man inzwischen Rente bekommt. Oberleitungen, die heute im Zeitalter der Digitalisierung stromlos sein können, bekommen so feine Fahrdrähte, dass die bisherigen dagegen wie Kanalrohre wirken. H0 Figuren bekommen neue Kleider. Mit Farbfinsh braucht man sie nicht einmal anzumalen, sondern nur so zu verbessern, dass die feinen Falten in der Kleidung wirklich guter Figuren, auch sichtbar werden. Das ist nämlich oft nicht der Fall, weil der Lichteinfall allein, das bei glatter Bemalung nicht bewirken kann. Außerdem werden dann die Handwerker endlich mal tätig und stehen nicht immer nur mit nagelneuen, sauberen Overals in der Gegend herum. Wofür bekommen die denn sonst ihr Geld, wenn sie sich nicht einmal dreckig machen wollen?

Und das Geld wollen sie haben! Ohne Moos nix los, ist die Devise. Das gilt aber auch für die wirklichen kleinen Flechten. Fast alle Modellbahndächer glänzen frisch lackiert, selbst wenn sie mit dem alten Trick, mit matter Modellfarbe und einem Tropfen Spülmittel, gegen die Oberflächenspannung des Wassers, gealtert wurden. Steril sauber sind sie immer noch. Doch wer „Frankfurter Pfannen“, also Betonwerkziegel kennt, weiß dass sie mit ihren Poren geradezu eine Einladung für die unfreiwillige Begrünung der Dächer sind. Doch, gibt es auf Betonwerkziegeln oft das graugrüne Moos, das sich in kleinen Borten und runden Klecksen einnistet, werden gebrannte Tonziegel, die „Hohlpfannen“ und „Biberschwänze“ meistens von einer ganz feinen Schicht dunkelgrüner Algen überzogen. Das ist alles in der Nenngröße H0 darstellbar, nur nicht mit den üblichen Microflocken und sonstigem groben Streumaterial. Natürlich färben die Profis ihre Dachbemoosung auch selbst ein, aber auf dem Dach, nicht vorher, versteht sich.

So ist der H0 Modellbau die Domäne der engagierten Landschaftsgestalter, die aus ihrer kleinen Modellbahnwelt, mit tausenden Finessen und ungewöhnlichen Verfahren eine scheinbare Wirklichkeit gestalten, fast wie echt.


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