Modelleisenbahn Gleichstrom - die Miniwelt der Profis

Eine anspruchsvolle Herausforderung, doch um es gleich zu sagen, der Begriff Modelleisenbahn Gleichstrom ist eigentlich überholt, genau genommen war er immer falsch. Gemeint ist damit das Zweileiter Schienensystem, das den Pluspol in der einen und den Minuspol in der anderen Schiene führt.

Doch die Zweileiterschiene der Spur 1 von Märklin fährt mit Wechselstrom und auf der Dreileiterschiene von Trix Express wurde schon seit 1953 mit Gleichstrom gefahren. Sie, lieber Leser interessieren sich somit für das Zweileiter Gleissystem und darum wollen wir uns damit befassen. Wir beschränken uns dabei auf die gängige Spurweite H0, weil nur hier eine Wahlmöglichkeit besteht. Die kleineren Maßstäbe fahren ohnehin nur im Zweileitersystem. War Wechselstrom über Jahrzehnte die Domäne der Dreileiterschienen von Märklin, mit den charakteristischen, elektrischen Punktkontakten auf den Schwellen und dem elektrischen Gegenpol auf beiden Schienensträngen, gibt es heute von vielen Fahrzeugherstellern auch Triebfahrzeuge und Wagen die mit Wechselstrom im ehemals nur gleichstromversorgten H0 Zweileitersystem fahren.

Damit wird die Frage nach der Ausbreitung des Stromflusses, linear oder in der Sinuskurve, mehr zu einem Glaubensbekenntnis. Unterschiede gibt es aber preislich. Vergleichen Sie doch mal zwischen Zwei- und Dreileiterpreisen.

Unstrittig bleibt jedoch, dass Gleisdreiecke und Kehrschleifen im Dreileitersystem problemlos erstellt werden können, weil beide Schienenstränge immer den gleichen elektrischen Pol führen. Unstrittig ist auch, dass die robusten Schienen von Märklin mit fahrsicherer Profilhöhe und entsprechend tief ausgeformten Spurkränzen an den Fahrzeugen, einen soliden Spielbetrieb ohne große Pannen ermöglichen.

Das gilt insbesondere für das C - Gleis, das mit einem deutlich hörbaren Klick in das nächste Schienenstück einrastet. So wird das gewaltsame Zurechtbiegen der Gleisradien und damit ein unbeabsichtigter Knick im Schienenverlauf verhindert. Das Zurechtbiegen ist, besonders bei Neulingen, eine häufige Unsitte um Gleiskurven noch eben passend zu machen. Verhindert wird diese Unart durch das C - Gleisbett aus Kunststoff. Und spätestens hier scheiden sich die Geister. Sind die Knubbels auf dem C - Gleisschotter, die die Schottersteine imitieren sollen, nun wirklich noch Modellbau, oder nur noch Spielzeug? Nachträgliche Verbesserung ist nicht möglich, weil das Kunststoffgleisbett schon die erforderliche Höhe zwischen den Schwellen ausfüllt. So grinst einen freundlich die hellgraue Plastikmasse an - und macht jede Illusion von Wirklichkeit zunichte.

Nun gut, da gibt es aber noch das K - Gleis von Märklin. Doch auch hier sind die Mittelkontakte auf den Schwellen für einen engagierten Landschaftsgestalter ein Sakrileg. Dazu kommt, dass die weiten Abgangswinkel der Weichen in keiner Weise eine wirklichkeitsnahe Abzweigung gestatten.

Doch das hat seinen Grund. Auf schlanken Weichen mit einem Abgangswinkel von 8° verursachen die kurzen Märklin Skischleifer unter den Triebfahrzeugen regelmäßig Kurzschlüsse und darum gibt es sie nicht in der Märklinwelt.

Doch gerade diese langen, schlanken Weichen machen das Bild der Wirklichkeit aus, sind die Basis der Miniwelt der Profis, die darum viel Platz braucht. Man sollte vieleicht auch gleich eine Turnhalle dazu mieten. Wer es nicht ganz so extrem will, liegt mit dem Fleischmann Profi Gleis sicher in der Kurve. Damit wäre ein Kompromiss gefunden zwischen noch gut befahrbaren Gleisen mit ausreichendem Höhenprofil und dennoch guter Optik.

Tillig führt mit dem Elite Gleis ein wirklich niedriges Profil, das an den amerikanischen NMRA (National Model Railroad Assosiation) Normen orientiert ist, aber die europäischen Radsätze nach NEM (Normen Europäischer Modellbahnen) noch sauber verdaut. Das gilt auch für Peco und für Roco. Aber den Gestaltungsfetischisten sei hier der Weg des Kolumbus empfohlen - mit Mühsal zu neuen Ufern. Wirklich naturgetreue Profile des NMRA Code 100 gibt es bei Walthers / Shinohara, auch bei Tillig, Atlas, Bachmann und Micro Engineering Company. Das Nonplusultra aber sind Gleise im Code 83. Sie kommen mit einer Profilhöhe von 2,1 mm sehr nahe ans Vorbild. Doch da muss man schon sehr genau schauen, welche Fahrzeuge man einsetzt.

Eine in H0 maßstäbliche Radbreite hätte nur 1,5 mm mit einem Spurkranz von 0,3 mm. Natürlich würden solche Fahrzeuge auf den NMRA Gleisen perfekt laufen - wenn sie überhaupt noch in den Schienen blieben! Die NEM Fahrzeuge haben, der Laufsicherheit wegen, eine überproportionierte Radbreite von 2,8 mm und Spurkränze bis zu 1,2 mm Höhe! Auf Zweileiterschienen umgerüstete Märklinfahrzeuge mit ihren absolut fahrsicheren, hohen Spurkränzen, stoßen damit auf die Kleineisen der niedrigen Schienenprofile und rattern von Schwelle zu Schwelle, bis sie kurz über lang rausfliegen.

So kann es gehen, wenn guter Gestaltungswille und technisches (Un)Wissen zwischen die normierten Mühlsteine NMRA und NEM geraten. Und dann ist da im Zweileitersystem noch die elektrische Trennung der Schienen um Fahrzeuge analog in entgegengesetzte Richtungen fahren zu lassen, Isolierverbinder um Gleisdreiecke und Kehrschleifen zu bauen und die gesamte Welt der DCC Digitalisierung, in der wieder alles anders ist.

Das alles nützt aber nur etwas, wenn auch die umgebende Landschaft perfekt gestaltet ist. Doch das kann man schrittweise lernen, man darf später nur kein Detail aus den Augen verlieren. Darum gilt für die Modellbahn Gleichstrom:

Profi werden ist nicht schwer - Profi sein, dagegen sehr.

Modelleisenbahn Gleichstrom
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