Modelleisenbahn H0 - der vernünftige Traum

Ein Traum ist es schon, wenn die kleinen Züge über lange Paradestrecken eilen, nächtliche Städte beleuchtet sind und filigran gestaltete Landschaften manchmal sogar vergessen lassen, dass sie eine Modellbauwelt sind, die ursprünglich Spielzeug war.

Doch kann ein Traum auch vernünftig sein?

Er kann, insbesondere dann, wenn Extreme vermieden werden. Wer jede Niete zählen will, der wird mit der Spur 1 im Maßstab 1:32 sein Glück finden und die nötige Industriehalle gleich dazu, um sie aufbauen zu können. Wer aber nicht nur die Steuererklärung auf dem Bierdeckel haben will, sondern auch seine Modellbahn, sollte vielleicht nicht nur der Spur Z im Maßstab 1:220 seine Aufmerksamkeit schenken, sondern dem japanischen Hersteller KK-Eishindo, der seit kurzem auf Meterspur verkehrende Triebwagen mit einer Spurweite von drei Millimetern im Maßstab 1:450 anbietet! Wer kann da noch Nieten zählen oder auch nur maßstäbliche Figuren auf den Bahnsteig stellen?

Wer die Extreme vermeidet, wird mit der Modelleisenbahn H0 sicher sehr glücklich werden.

Sie ist klein genug um in jeder Wohnung Platz zu finden, aber groß genug um viele Details auch noch selber bauen zu können. Ein mittelgroßer Straßenbaum mit 12 m Wuchshöhe ist im Maßstab 1:450 gerade mal 2,6 cm hoch und damit zwangsläufig nur eine Art begrünter Pinsel. Im Maßstab H0 kann der aber mit allen Ästen, feinem Naturlaub und einer natürlichen Borke selbst gebaut werden. Da hat man doch mit knapp 14 cm Bauhöhe ein prachtvolles Solitärmodell auf seiner Anlage.

Das gleiche gilt für Gebäudebausätze die in den letzten Jahren entwickelt wurden. Die meisten Hersteller boten schon immer weit mehr Gebäudebausätze in H0 an, als in anderen Größen. Hier hat sich die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zusätzlich positiv ausgewirkt. Waren die sogenannten H0 Häuser in den siebziger Jahren noch so stark verkleinert, dass eine Modellfigur mit ausgestreckter Hand locker in die Dachrinne eines Einfamilienhauses fassen konnte, hat sich nun der Trend zum wirklich maßstäblichen Modell durchgesetzt. Das ist ein weiteres Argument für den Maßstab 1:87. Die Modelle werden immer realistischer und aus Spielzeug wird endgültig qualifizierter Modellbau. Das ist die Welt der heutigen Modelleisenbahner und Landschaftsgestalter.

Bei allem Schwärmen ist aber eine präzise Betrachtung sinnvoll, denn schon der gängige Begriff Spurweite H0 ist eigentlich falsch. Wirklich maßstabsgerechte H0 Modelle sind immer im Maßstab 1:87 erstellt und H0 bezeichnet damit eine Nenngröße - unabhängig von der Spurweite. Die Normal- oder Regelspur beträgt 1435 mm und ist in Europa und Nordamerika am weitesten verbreitet. Daraus entsteht die maßstäbliche Regelspur von 16,5 mm bei Modelleisenbahnen im Maßstab H0.

Doch in weiten Teilen Italiens und Spaniens und auch bei uns, z.B. bei der Harzer Schmalspurbahn, fahren die Züge auf der Meterspur von 1000 mm. Das ergibt im Maßstab 1:87 eine Modellspurweite von 12 mm und entspricht damit der Normalspur der TT Bahn im Maßstab von 1:120. Doch natürlich stoßen sich die Modellfiguren beim Einsteigen in die Wagen nicht die Köpfe, denn die gesamte Modellgröße, Wagenhöhe und -länge, bleibt ja beim Maßstab 1:87. Diese Schmalspur wird H0m genannt. Die Zittauer Schmalspurbahn hat sogar nur eine Spurweite von 750 mm. Das ist im Maßstab 1:87 eine Spurweite von 9 mm und entspricht damit der Normalspurweite der N Bahn im Maßstab 1:160.

Auch hier bleiben alle Modellgrößen im Maßstab 1:87 und die kleinen Reisenden müssen sich auch im Lande von August dem Starken nicht unterwürfig gekrümmt, in viel zu kleine Miniwaggons zwängen. Diese Spur wird H0e genannt. Ausgefuchste Bastler können sogar die Fahrgestelle der Z Bahn abbauen und Kipplorenaufbauten im Maßstab 1:87 darauf setzen. So wurde bis zur Epoche III Torf in den norddeutschen Landen abgebaut, aber auch Koks in die Schmiedefeuer des Ruhrpotts gefahren. Die Nenngröße Z im Maßstab 1:220 hat eine modellgerechte Regelspurweite von 6,5 mm und wird im Maßstab 1:87 als Industriebahn H0i bezeichnet. Doch auch dafür gibt es schon von Kleinserienherstellern fertige Fahrzeuge.

Vollprofis können im Maßstab H0 nun auch noch, mit einer präzise gefertigten Distanzlehre, ein Schmalspurgleis in das Regelgleis einsetzen und so einen Vierschienenbetrieb ermöglichen, der Normalspur- und Schmalspurzüge auf derselben Gleistrasse verkehren lässt, wie in Wirklichkeit. Die Betonung liegt hier aber nicht auf Vierschienengleis, sondern auf Vollprofi! Doch auch die können das nur in der Nenngröße H0, in kleineren Maßstäben wird das fast unmöglich.

Letztlich besteht die Modelleisenbahn aus unendlich vielen Details. Die Zubehörlieferanten sind auch, besonders in H0, sehr bemüht dem gerecht zu werden. Da gibt es feine Straßenlaternen mit gusseisernen Masten, die fast noch als Gaslichtlaternen der Epoche I das Licht der Welt erblickt haben könnten, wie auch moderne Peitschenmasten, beleuchtete Weichenlaternen, die die geschaltete Fahrtrichtung anzeigen, Formsignale und Schranken, die sich maßstäblich langsam bewegen und und und. . . und eigentlich gibt es in der Modelleisenbahn H0 nichts, was es nicht gibt, außer vielleicht maßstäblich gedruckten Euroscheinen.

Die müssen wir in Originalgröße schon selber mitbringen um unseren Traum zu verwirklichen. Und da heißt es immer, dass man Glück nicht kaufen kann.

Wir tun es - in H0!

Modelleisenbahn H0
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