Trix Modelleisenbahn - Der Urahn des Mehrzugbetriebes

Ein Kindertraum war es von Anfang an, der dort in Nürnberg verwirklicht wurde. Schon im frühen 19. Jahrhundert begann er mit Zinnfiguren und Metallspielzeug, aber im 20. Jahrhundert faszinierte das Ingenieurbüro im Kinderzimmer - der Stabilbaukasten. Metallschienen, mit einem speziellen Dreilochsystem zur Verschraubung, erlaubten x-fache konstruktive Verbindungen, eben Tri-x. Und erst jetzt kam die Tischeisenbahn dazu, von Anfang an mit 16 mm Spurweite und Dreileitersystem, anfangs noch mit Wechselstrom. Eine Sensation auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1935! Der Vorsprung von Trix beruhte auf einer einfachen elektrischen Schaltung. Die Räder waren elektrisch gegeneinander isoliert und so konnte der Stromzufluss durch eine Schiene erfolgen. Ein zweiter Zug, auf demselben Gleis, bekam seinen Strom durch die andere Schiene und beide nutzten den Mittelleiter als gemeinsamen Rückleiter. Gab es eine Oberleitung dazu, fuhren drei Züge unabhängig voneinander auf demselben Gleis. Und das in einer Zeit, als die Aufzieheisenbahn noch nicht ganz ausgestorben war und eine „digitale Steuerung“ noch nicht einmal angedacht, geschweige denn produziert werden konnte. Da ging es auch wirtschaftlich flott voran mit der Trix Modelleisenbahn, eben Trix Express.

Dieser Vorteil wurde genutzt und so gab es alsbald umfangreiches Zubehör, eigene Bahnhofsmodelle aus Holz und sogar ein Entkupplungsgleis. Ab 1953 rollte man dann auch mit Gleichstrom, aber alles was rollte musste schön aus der eigenen Schmiede kommen, denn die breiten Spurkränze garantierten zwar einen sicheren Fahrbetrieb, benötigten aber an den Weichen Radlenker mit weitem Abstand. Da flogen andere Wagen raus und die Trix Wagen passten nicht auf andere Gleise, trotz gleicher Spurweite. So entstand aus den Trixern eine eingeschworene Gemeinschaft, die diese Eigenschaft, tricksen zu können, heute auch brauchen. Weil im Zuge zunehmender Gleichstromtechnik die Umstellung auf Trix International, mit dem Zweileitergleis im Jahre 1964, nicht mehr ausreichte und die Ära der Mehrzugsteuerungen sich ankündigte, machte sich nun der durchgehende Mittelleiter gestalterisch zunehmend störend bemerkbar. Als das Unternehmen dann 1997 von Märklin übernommen wurde, ging die Ära für Trix Express langsam zu Ende. Heute fahren die Trix Modelle auf modernem Zweileitergleis mit niedrigem Schienenprofil und einem untermontierten Gleisbett aus Kunststoff. Der Schotter ist zwar dunkler gefärbt als bei Märklin, aber ansonsten ist es das technisch bewährte und gestalterisch fragwürdige C-Gleis von Märklin, eben nur ohne Punktkontakte. Hervorzuheben ist, dass alle Trix Fahrzeuge ohne die für Märklin typischen Verkürzungen auskommen und so in Punkto Modelltreue dem Fahrzeugangebot der sonstigen Zweileiterhersteller nicht nachstehen.

Doch so leicht lässt sich ein Traum, der einen von Kindheit an begleitet hat, nicht „entsorgen“. Millionen Gleisstücke, Triebfahrzeuge und Waggons halten ihn am Leben. Für manchen begeisterten Modelleisenbahner ist das sein Leben mit Trix Express. Da nimmt es nicht wunder, dass sich zahlreiche Interessengemeinschaften, Klubs und lose Gruppierungen liebevoll um ihre nun kultig werdenden Trix Expressmodelle bemühen. Im Internet geht es hoch her und man ist schon dabei Radsätze und anderes selbst zu drehen und auf Börsen und in Foren anzubieten. Trix Express lebt! Und so wäre es nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere Kleinserienhersteller da noch einmal als Ersatzteilproduzent einsteigen würde.

Was bleibt, ist der durchgehende Mittelleiter. Und damit bleibt auch die Frage im Raum, ist das nun kultiges Spielzeug, oder ist das eine Modelleisenbahn? Die Erwartung an Modelltreue geht heute bis zur letzten Niete - und da ist so ein dicker Mittelleiter, nun ja. „Wer liebt, lacht doch“, sagten die Altvorderen zum Thema Konfliktbewältigung in der Ehe. Und wenn man nun schon so viele Jahre mit seinem Trix Express verheiratet ist, sieht man den Mittelleiter vielleicht gar nicht mehr. Dann kommt es nur darauf an die übrige Anlage besonders schön zu gestalten. Wer hier in der Geländegestaltung wahre Kunstwerke vollbringt, Straßen baut, die von echten nicht zu unterscheiden sind und Bäume selber konstruiert, von denen man die echten Blätter pflücken kann, der wird auch nach so langer Trix Express Zeit, seiner Liebe damit die höchste Ehre erweisen. Und all jene, die die tolle Gleisführungstechnik des C-Gleises schätzen, haben ja nun keinen Mittelleiter mehr. Hier gilt für die Gestaltung das Gleiche: Selbstgemachte Felsen, fast wie echt, Ackerflächen mit natürlicher Erdkrume, und kleine, aber sehr feine, selbstgebaute Büsche und Bäumchen am Bahndamm, lassen den gestalterischen Nachteil von Kunststoffschotter fast vergessen machen. So regiert Ihre Majestät, die Geländegestaltung, zusammen mit dem nüchternen Verkehrsminister, der für einen reibungslosen Ablauf auf der Schiene sorgt. Beide gemeinsam schaffen so ein glückliches Modellbahnland mit der Trix Modelleisenbahn.


Trix Modelleisenbahn
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